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Presseinfos | 31.05.2017

Helaba-Studie: „Neue Arbeit – nichts Neues für Thüringen“

  • Thüringen wächst 2017 mit 1,7 % überdurchschnittlich 1)
  • Demografischer Wandel mildert digitalisierungsbedingten Beschäftigungseffekt
  • Neue Arbeitsformen verlangen angepasste Bürokonzepte

Nach einem Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) in Thüringen um 1,8 Prozent in 2016 spricht vieles für eine Fortsetzung des Wachstumskurses. „Die Auftragseingänge im ersten Quartal des laufenden Jahres sorgen für kräftige Impulse in der Thüringer Industrie – mit entsprechend positiven Effekten auf die Beschäftigung. Wir erwarten deshalb, dass das Wirtschaftswachstum in Thüringen 2017 mit 1,7 Prozent dynamisch und  über dem deutschen Durchschnitt wächst“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin des Bereichs Volkswirtschaft/Research der Helaba bei der Präsentation der Studie „Neue Arbeit – nichts Neues für Thüringen“ in Erfurt.
Neben dem Konjunkturausblick befasst sich die Veröffentlichung mit dem Thema „Arbeitswelt im Wandel“, dem Schwerpunkt der diesjährigen Erfurter Wirtschaftskonferenz. Nach der Wiedervereinigung forderte der Strukturwandel im Zeitraffer die Veränderungsbereitschaft der Thüringer Arbeitnehmer aufs Äußerste heraus. Die dort an den Tag gelegte Flexibilität war möglicherweise aber eine Erfahrung, die die Menschen auf weitere Anpassungen vorbereitet hat, die nun durch die Digitalisierung anstehen.
Thüringen ist weiterhin stark von der Industrie geprägt. Es weist mit einem Beschäftigungsanteil des Produzierenden Gewerbes von 30 Prozent die gleiche Struktur wie Baden-Württemberg auf, dem Industrieland Nr. 1 in Deutschland. Damit ist es laut verschiedener Studien von der Digitalisierung besonders betroffen. Denn diese wird zwar „neue“ Arbeit schaffen, aber auch zur Substituierung von Mitarbeitern durch Computer führen. Aus den Modellrechnungen für Thüringen ergäbe sich langfristig ein digitalisierungsbedingter Stellenabbau um fast 19 Prozent. Tatsächlich dürfte dieser Effekt aber spürbar geringer ausfallen. Zumal im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung auch positive Beschäftigungseffekte im Rahmen der „alten“ Arbeit zu erwarten sind. „Die Nachfrage nach hochspezialisierten und leistungsfähigen Maschinen sollte spürbar steigen. Hier können Maschinenbau und Elektrotechnik/Optik ‚Made in Germany‘ mit ihren präzisen und zuverlässigen Geräten punkten. Thüringer Unternehmen aus den genannten Branchen dürften von diesem Trend besonders profitieren“, so Barbara Bahadori, die Regionalanalystin der Helaba.
Die Unternehmen müssen sich digital fit machen. Hier sind in Zukunft innovative Formate und Kooperationen gerade für den Mittelstand gefragt, die auch die Kostenseite von IT-Investitionen berücksichtigen. Zudem zeigt der Blick auf die Altersstruktur in Thüringen, dass sich spätestens in den nächsten zehn Jahren rund 180.000 sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigte in den Ruhestand verabschieden werden. Dies sind 22 Prozent der derzeitigen Arbeitnehmer. Demographisch bedingt werden voraussichtlich aber nur 120.000 Beschäftige nachkommen. Traud: „Wenn mittelfristig weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, kann der vermehrte Einsatz digitaler Prozesse in den Unternehmen dazu beitragen, dem demografischen ‚Schwund‘ entgegen zu wirken.“
Ein Vorteil von digitalem Arbeiten kann die zunehmende Flexibilität von Arbeitszeit und -ort sein, was von Mitarbeitern zumeist sehr geschätzt wird. Diese neuen Arbeitsformen verlangen angepasste Bürokonzepte. Um den Anforderungen an Kommunikation und Raumeffizienz gerecht zu werden und gleichzeitig Möglichkeiten zum konzentrierten Arbeiten bereitzustellen, greifen moderne Büroflächen auf eine Mischung unterschiedlicher Konzepte zurück. Ein Beispiel für innovative Büroformen ist der Co-Working Space. Dabei handelt es sich um Büroflächen, die von einem Betreiber unterschiedlichen Nutzern gegen Entgelt kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Die Co-Working-Szene an den Standorten Erfurt und Jena entwickelt sich volatil – ihre Bedeutung sollte aber, laut dem Helaba-Immobilienexperten Dr. Stefan Mitropoulos, in den kommenden Jahren zunehmen.

 

1) Die Prognose für die entsprechende kalenderunbereinigte Zuwachsrate des BIP in Deutschland insgesamt liegt bei 1,5 %.