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Chefvolkswirtkommentar | 19.04.2017

Vertrau(d)lich

Pointierte Ausblicke direkt aus der Feder von Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirt und Leitung Research.


Trumps Handelspolitik ohne Gewinnperspektiven

Seit seiner Amtseinführung am 20. Januar hat US-Präsident Donald Trump zahlreiche Dekrete unterzeichnet und somit zumindest seinen Anhängern das Gefühl vermittelt, dass er das umsetzt, wofür er sich im Wahlkampf stark gemacht hat.

Beim Thema Handelspolitik ist er bislang aber relativ unkonkret geblieben und dies, ob-wohl für ihn die Warenströme durch andere Handelsnationen zum Nachteil der USA manipuliert sind. Dabei zählen zu den wirtschaftlichen „Feinden" alle Länder, die mehr Waren in die Vereinigten Staaten exportieren als sie von dort beziehen. Gemessen in US-Dollar sind dies China, Mexiko, Deutschland, Japan und Kanada. So überraschte es nicht, dass er unmittelbar nach Amtsantritt den Ausstieg aus der Trans-Pacific Part-nership angekündigt hat, womit er vornehmlich Japan treffen möchte. Zudem will er die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) mit Blick auf Mexiko neu verhandeln. Genaueres ist jedoch noch nicht absehbar.

Interessanterweise hat Donald Trump seine aggressive Rhetorik gegenüber China spür-bar entschärft. Weder wurde China als Währungsmanipulator identifiziert – was, trotz der Tatsache, dass der Vorwurf zumindest für die letzten beiden Jahre ungerechtfertigt war, eigentlich für den „ersten Tag" seiner Amtszeit avisiert worden war. Noch hat die neue Regierung konkrete Maßnahmen zur Beschränkung des Handels angekündigt. Angeb-lich will Trump erst einmal mit den Chinesen reden. Dieses vergleichsweise moderate Vorgehen könnte auf die harsche Reaktion der chinesischen Regierung zurückzuführen sein. Vielleicht ist es ja auch den intensiven Geschäftsbeziehungen seiner Tochter mit China geschuldet. Eine klare Außenhandelsstrategie ist es aber nicht.

Deutschland scheint sich dagegen als „Lieblingsfeind" in punkto Handel herauszubilden – besteht doch in allen großen Warengruppen ein Handelsbilanzdefizit zu Ungunsten der USA. Dabei sind die USA mit einem Volumen von 107 Mrd. Euro (2016) der wichtigste Exportmarkt der Bundesrepublik. Dies gilt auch für Hessen, wo der US-Anteil an den Ausfuhren von 12 % noch höher ist als im Bundesdurchschnitt (9 %). Während Kraftfahr-zeuge und Kfz-Teile bundesweit 28 % der Exporte ausmachen, spielen in Hessen phar-mazeutische Produkte mit einem Anteil von 45 % eine besonders große Rolle. Insofern ist es für Deutschland wie auch für einzelne Bundesländer von entscheidender Bedeu-tung, in welche Richtung die Handelspolitik des US-Präsidenten mittelfristig zeigen wird.

Über allem schwebt die Überlegung einer „big border tax", deren Ausgestaltung bislang vage bleibt. Die Zielsetzung ist jedoch unmissverständlich: Inländische und ausländische Unternehmen sollen in den USA produzieren, um dort Arbeitsplätze zu schaffen. Derarti-ge Handelsrestriktionen wären allerdings für die USA mit Risiken verbunden: Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die dortigen Preise steigen, wovon insbesondere die unteren Einkommensschichten belastet würden. Auf die US-Unternehmen kämen höhere Pro-duktionskosten zu, da Vorleistungen nicht mehr günstig aus dem Ausland bezogen wer-den können. Zudem wären die Maßnahmen wahrscheinlich kaum mit den Regeln der internationalen Handelsorganisation WTO konform und die USA müssten mit Strafen bzw. Gegenmaßnahmen anderer Länder rechnen. So bleibt zu hoffen, dass Donald Trumps lautes Tröten verstummt und er sich auf die wirklich amerikanischen Werte be-sinnt: Frieden durch Freihandel und Demokratie – eine Kombination, die zu dauerhaften Wohlstand auch in den USA geführt hat.