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Chefvolkswirtkommentar | 26.04.2018

Vertrau(d)lich

Pointierte Ausblicke direkt aus der Feder von Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirt und Leitung Research.


Trump eher loben als angreifen

Donald Trump hält die Welt in Trab. Nicht erst seit seinem Wahlsieg im November 2016 trumpft er immer wieder mit „fantastischen“ Ideen auf. Unberechenbarkeit ist vermutlich das Wort, das am häufigsten im Zusammenhang mit ihm genannt wird. Ist er wirklich so unkalkulierbar oder tut er einfach nur das, was er schon im Wahlkampf angekündigt hat?

Von seinen Plänen hat Trump bereits einiges umgesetzt. Unmittelbar nach Amtsantritt verkündete er den Ausstieg aus der Trans-Pacific Partnership (TPP). Die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) wird mit Blick vor allem auf Mexiko neu verhandelt. Mittlerweile ist eine Steuerreform implementiert, die die Steuersätze massiv senkt und Anreize zur Repatriierung von Auslandsgewinnen schafft. Auch die Bankenregulierung soll zurückgefahren werden. Mitte März besichtigte er Prototypen für den Bau der Mauer zu Mexiko. 

Sein jüngster „Deal“ ist die Einführung von Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium. Vertreter der EU konnten erreichen, dass ihre Exporte vorübergehend von den neuen Zöllen ausgenommen werden. Europa bzw. Deutschland sind aber noch nicht aus dem Fokus des US-Präsidenten. Zum einen sind die Schutzzölle für Europa nicht dauerhaft ausgesetzt und zum anderen kommen von Donald Trump immer wieder höchst emotionale Einlassungen über die hohen europäischen Autoexporte („Warum kaufen diese Europäer nicht mehr von unseren großartigen Autos?“). 

Das Damoklesschwert höherer Zölle schwebt also weiter über uns und schlüge es zu, könnte dies der deutschen Außenwirtschaft schaden. Sind doch die USA mit einem Volumen von 111,5 Mrd. Euro (2017) der wichtigste Exportmarkt der Bundesrepublik. Dies gilt noch mehr für Hessen, wo der US-Anteil an den Ausfuhren mit 12 % sogar höher ist als im Bundesdurchschnitt (8,7 %). Zwar gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten regionalen Diversifizierung seiner Exporte. Nichtsdestotrotz besteht gerade bei Fahrzeugen ein großes Klumpenrisiko. Schließlich kommt fast die Hälfte des deutschen Handelsüberschusses mit den USA von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen.

Wie sollten Deutschland bzw. die EU also auf die trumpsche Handelspolitik reagieren? Es hilft vermutlich nicht, Trump davon überzeugen zu wollen, dass seine Vorgehensweise für alle Seiten nur Verluste bringen würde. Wie stellte schon René Descartes vor Jahrhunderten fest: „Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“

Trump betont immer wieder, dass es ihm um Fairness gehe, wodurch die USA wieder großartig würden. Für ihn sind Handelsdefizite der Beweis dafür, dass die anderen Länder die USA über den Tisch ziehen. Würden diese tatsächlich durch massive Importbeschränkungen zurückgeführt, litten gerade auch die US-Konsumenten. Er scheint somit absolute Verluste in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch seine relative Position verbessert.

Es geht also um die Erhöhung seines Selbstwertgefühls. Dies ist gar nicht so außergewöhnlich bei Menschen, wie die sozialpsychologische Forschung auch bezüglich anderer Staats- und Regierungschefs in der Welt zeigt. Die öffentliche Androhung von Vergeltung ist in einem solchem Fall die denkbar ungünstigste Vorgehensweise. Damit fühlt Trump sich weiter angegriffen und lässt die Situation eskalieren. Vielmehr empfiehlt es sich, ihn zu loben, anstatt ihn herauszufordern. Ein Ansatzpunkt für die Europäer wäre, Trump als Macher fairer Bedingungen für den transatlantischen Handel auszuzeichnen, indem die Tür zu einem Freihandelsabkommen zwischen den EU und den USA geöffnet wird. Waren es doch die Europäer, die dieses Abkommen haben einschlafen lassen.