Fixed Income Daily
Börsentäglich: Markteinschätzung und Prognose rund um den Rentenmarkt.
Merkel und Hollande wollen Griechenland im Euro halten.
Sorgen um Griechenland drücken asiatische Börsen ins Minus, EUR-USD fällt auf 1,27.
Das Ereignisrisiko im Zusammenhang mit der sich zuspitzenden EWU-Schuldenkrise ist hoch. Griechenland befindet sich nach der gescheiterten Regierungsbildung in einer politischen Sackgasse und Neuwahlen im Juni mit einem dann zu erwartenden Stimmenzuwachs der Spargegner sorgen für Nervosität. Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Eurozone nehmen zu. Von konjunktureller Seite stehen heute interessante Datenveröffentlichungen im Kalender, die insgesamt aber kaum in der Lage sein werden, die politisch begründeten Verunsicherungen zu kompensieren. Positive Überraschungen, die es gestern beispielsweise bei der Veröffentlichung der deutschen Wachstumszahlen gegeben hat, wird es unserer Einschätzung nach nicht geben. Auf dem Programm stehen Zahlen aus den USA, allen voran die Industrieproduktion. Der Index der geleisteten Arbeitsstunden liefert eine positive Indikation, sodass ein Produktionsanstieg ins Kalkül gezogen werden sollte. Die Konsensschätzung von 0,6 % scheint aber hinreichend optimistisch. Die Kapazitätsauslastung sollte zulegen. Sie wird bei 79 % nach 78,6 % erwartet. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt bei 79,5 %. Daher dürfte das Szenario eines fortgesetzten Wachstums der US-Wirtschaft nicht in Frage gestellt werden. Anlass, um verstärkt auf eine neuerliche Ausweitung der mengenmäßigen Geldpolitik (QE3) zu spekulieren, sehen wir nicht. Auf solch ein Ansinnen wird auch das Sitzungsprotokoll der Fed von Ende April wohl keine Hinweise geben. Die FOMC-Mitglieder hatten bei dieser Sitzung ihre Leitzinsprojektionen teilweise nach vorne verlagert, so dass QE3 damit immer unwahrscheinlicher geworden ist. Wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa steht das Thema QE3 derzeit ohnehin nicht im Vordergrund. Zu erwähnen sind noch die Baubeginne und Baugenehmigungen, die wir im Rahmen der Konsensschätzung erwarten. Marktbewegenden Einfluss sehen wir von diesen Zahlen nicht.
Bund-Future: Robuste Wachstumszahlen in Deutschland haben den Future kurzzeitig unter die Marke von 143 gedrückt. Dann aber führte die gescheiterte Regierungsbildung in Athen zu einem erneuten Run auf Bundesanleihen. Da zudem der seit Mitte März zu beobachtende Aufwärtstrendkanal (142,85) intakt ist, sind weitere Gewinne möglich. Nur die überkaufte Marktlage mahnt derzeit vor zu viel Optimismus. Trading-Range: 142,85 – 144,20.
Primärmarkt: Bevor sich hierzulande viele Marktteilnehmer wohl in ein verlängertes Wochenende verabschieden, stehen am Primärmarkt noch einmal diverse Emissionen auf der Agenda. Auch in Frankreich ist der morgige Donnerstag ein Feiertag, und so hat die Agence France Trésor die turnusmäßigen OAT- und BTAN-Auktionen auf heute vorgezogen. Wie üblich haben die Franzosen umfangreiche Aufstockungen geplant. Bis zu 8 Mrd. Euro sollen über konventionelle Anleihen mit Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren aufgenommen werden. Darüber hinaus bietet die AFT auch inflationsgeschützte Papiere mit langer bis ultralanger Laufzeit an. Hier wurde die Emissionsspanne auf 0,8 bis 1,2 Mrd. Euro festgelegt. Neben französischen Staatstiteln können sicherheitsbewusste Investoren heute auch zehnjährige Benchmark-Bunds erwerben. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Tage, wird einmal mehr deutlich, dass deutsche Anleihen weiterhin das Maß der Dinge sind. Nach den gescheiterten Regierungsverhandlungen in Griechenland erfolgte ein Run auf Bunds, der die zehnjährige Rendite im Tief auf 1,43 % drückte. Erst das unerwartet robuste Wirtschaftswachstum Deutschlands im ersten Quartal dämpfte die Risikoaversion an den Märkten gestern Morgen leicht. Mit aktuell 1,46 % liegen die Finanzierungskosten des deutschen Staates im zehnjährigen Laufzeitbereich aber noch immer auf Rekordniveau. Deutschland kann sich damit weiter vom Nachbarland Frankreich absetzen, wie der Blick auf die Renditekurven beider Länder offenbart. Besonders im langen bis ultralangen Laufzeitbereich zeigen sich hohe französische Risikoprämien von bis zu 140 Basispunkten.
Die Euro-Peripherie war angesichts der Turbulenzen in und um Griechenland in dieser Woche einigen Belastungen ausgesetzt. So verwundert es nicht, dass die Spreads im Wochenvergleich einheitlich aufwärts tendieren. Besonders deutlich fiel der Anstieg der Risikoprämie in Spanien aus. Hier belasteten zusätzlich Sorgen um die angeschlagenen Banken des Landes das Sentiment der Marktteilnehmer. Die Risikoprämie liegt derzeit bei über 490 Basispunkten.
Aus organisatorischen Gründen erscheint das nächste „Fixed Income Daily“ am 21. Mai.
Ihr Floor Research
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